Das Bulletin von Baden-Baden

Baden-Baden, die Kur- und Medienstadt, die Kunst-, Fest- und Glücksspielstadt zog von jeher ein internationales, weltoffenes und mondänes Publikum an. Wir, die Deutsch-Israelische Gesellschaft sind stolz, mit unserer hier ansässigen Arbeitsgemeinschaft seit vielen Jahren ein tolerantes und gebildetes Publikum zu erreichen, das neben den politischen Aspekten des deutsch-israelischen Dialoges, auch Freude am Genuss erfährt: Kunst und Kulinarik aus Israel hat die langjährige Vorsitzende in Baden-Baden, Barbara Hoffs schon oft zum Thema ihres Engagements gemacht.

Mit der Wahl Baden-Badens als Ort unserer diesjährigen Hauptversammlung möchte die Deutsch-Israelische Gesellschaft ein Zeichen setzten: Wie die Stadt, in der wir uns heute treffen, stehen auch alle Mitglieder der DIG für Toleranz, Weltoffenheit und internationale Verständigung.

Dennoch will es mehr denn je scheinen, dass die Attribute einer offenen Gesellschaft abgewertet werden. Rechte Schläger auf der Frankfurter Buchmesse, Flüchtlinge, die nicht akzeptieren, dass das Bekenntnis zu Israel Teil unseres Selbstverständnisses ist, Politiker, die den Holocaust leugnen – all dies führt bei nachdenklichen und allemal bei den betroffenen Bürgern zu Angst, Irritation, ja, der Überlegung, Deutschland zu verlassen. Das gilt in erschreckendem Maße für die in Deutschland ansässigen Juden, die doch gerade erst wieder ihre Koffer ausgepackt zu haben schienen.

Nicht besser wirkt das internationale Szenario. Rechtsruck im Nachbarland, ein unberechenbarer Regierungschef jenseits des Atlantik, UNO-Organisationen, die nicht die Lösung des Problems sondern dessen Ursache sind – und Nachbarn Israels, der einzigen Demokratie im Nahen Osten, die einstige Friedensabkommen nicht mehr respektieren, die „regieren“ mit einem Präsidenten ohne politische Legitimation und erodierende Staaten: Es scheint, als seien wir alle auf abschüssiger Straße.

Im Bewusstsein dieser Sorge fordern wir, die Delegierten von Baden-Baden

 

  • das Bekenntnis zu Israel, seinen Staatsgrenzen und seiner Sicherheit weiterhin und mit aller Konsequenz nicht nur als Staatsräson unangetastet zu lassen – auch und vor allem angesichts der veränderten politischen Zusammensetzung von deutschen Parlamenten – sondern dieses Bekenntnis laut und deutlich zum Ausdruck zu bringen. Dazu gehört auch der überfällige Austritt Deutschlands aus der UNESCO, wie ihn andere Staaten vorgemacht haben. Ebenfalls gehört dazu die Entlarvung der UNWRA, die palästinensische „Flüchtlinge“ unterstützt, indem sie deren Status für alle Zeit nach den Regeln des Erbrechts aufrechterhält und so die eigene Existenz rechtfertigt.

  • der historischen Verantwortung gerecht zu werden, indem wir jegliche „Schlussstrichdebatte“ verurteilen, in dem wir die Gegenwart und ihre seit 1945 nicht mehr dagewesenen Auswüchse auf Straßen und an Rednerpulten mit aller Sorgfalt beobachten, und diese Auswüchse benennen, als das, was sie sind: kriminelle Handlungen, die der Strafverfolgung ausgesetzt werden müssen. Er muss ein Schlussstrich unter die Schlussstrichdebatte gezogen werden!

  • Antizionismus anzuprangern, denn Antizionismus ist Antisemitismus. Israel als größte jüdische Gemeinschaft einer Ungleichbehandlung gegenüber anderen Staaten zu unterwerfen entbehrt jeder Legitimation. Daher fordern wir das Ende der BDS-Kampagne, die israelische Produkte diffamieren und unter Umgehung von gültigen Handelsabkommen mit Steuern belasten möchte. Wer israelische Produkte verbannen möchte, diskreditiert ihre Hersteller, vernichtet  - zumeist palästinensische  -  Arbeitsplätze und scheut sich nicht, fatale historische Parallelen zu schaffen: "Kauft nicht beim Juden".

  • eine Generation heran zu ziehen, die, ungeachtet ihrer pluralen Herkunft, unsere gemeinsamen und nicht verhandelbaren Werte teilt. Dazu gehört eine Revision des Israelbildes in deutschen Schulbüchern, an der wir mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes schon seit geraumer Zeit arbeiten. Dazu gehört die Ächtung von Sportereignissen, die israelische oder jüdische Sportler ausschließen. Dazu gehört weiterhin unsere Forderung nach der Gründung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerkes, das eine gegenseitige Annäherung von jungen Menschen zum Curriculum macht.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft, die an 50 deutschen Standorten operiert, die mehr als 5000 Mitglieder hat, die nicht nur unterstützt wird vom Auswärtigen Amt, sondern auch durch die tätige Mitwirkung von Abgeordneten aller demokratischen Fraktionen des Deutschen Bundestages, wird sich auch in Zukunft einsetzen für die Verständigung beider Länder, für einen Diskurs über alle Religionen und Herkünfte hinweg und für einen Friedensprozess mit dem Ziel  einer Zwei Staaten-Lösung für Israel und Palästina. Dabei wird sie unterstützt von der Israelisch-Deutschen Gesellschaft in Israel sowie zahlreichen Organisationen und gesellschaftlichen Kräften in beiden Ländern: Dafür danken wir.

Im kommenden Jahr 2018 feien wir in Berlin und an vielen deutschen und israelischen Orten den 70. Geburtstag Israels. Im Jahr 2019 werden wir die 70. Wiederkehr unserer eigenen Staatsgründung begehen. Unser Bestreben ist es, diese Anlässe – aber selbstverständlich nicht nur diese -  zu nutzen, hierzulande um Verständnis und Empathie für Israel und für die Mitwirkung am Ausbau dieser für uns zentralen Aufgaben zu werben.

Baden-Baden am 11. November 2017

 
 

Informationen des Präsidiums