Öffentlicher Aufruf an die Evangelische Akademie Bad Boll anlässlich der Tagung "Shrinking Space im Israel-Palästina-Konflikt"

Deutsch Israelische Gesellschaft

Heilbronn-Unterland

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ÖFFENTLICHER  AUFRUF

 

 

 

Sehr geehrter Herr Landesbischof,

sehr geehrte Damen und Herren Mitglieder des Landeskirchenausschusses,

sehr geehrte Damen und Herren Prälaten,

sehr geehrte Synodale der Evangelischen Landeskirche von Württemberg!

 

 

 

 

Vom 21. - 23. September dieses Jahres fand in der Evangelischen Akademie Bad Boll eine Tagung mit dem Thema

"Shrinking Space im Israel-Palästina - Konflikt ..." statt.

 

Hiermit wurde zum wiederholten Mal in der Akademie Bad Boll eine Veranstaltung durchgeführt, die einseitig, irreführend

und faktenresistent Geschichte und Gegenwart des palästinensisch-israelischen Konfliktes thematisiert. Sie selbst, sehr

geehrter HerrLandesbischof, haben durch Ihre Statements kommuniziert, dass Sie die Einseitigkeit des Tagungskonzeptes

kritisch betrachten und eine Verschiebung der Tagung angeregt, um eine faire und ausgewogene Veranstaltung zu ermöglichen.

Hierfür bedanken wir uns ausdrücklich.

 

Der Direktor der Akademie - Pfarrer Prof. Dr. Jörg Hübner - hingegen wies eine Verschiebung der Tagung zurück und behauptete

stattdessen, die Evangelische Landeskirche von Württemberg stünde hinsichtlich seines Gebarens voll und ganz hinter ihm

(vgl. "Evangelisch.de" vom 20./21.9. 2018).

 

Zahlreiche Teilnehmer*Innen und Referent*Innen der Tagung agieren im Umfeld von Boykottaufrufen gegen den Staat Israel und

vertreten eine ideologisch motivierte Delegitimierung des Staates Israel. Eine Teilnehmerin agierte als Passagierin des Schiffes "Mavi Marmara",

das Teil des gewaltsam operierenden "Ship to Gaza"- Konvois im Jahr 2010 war.

Bis auf wenige Ausnahmen waren die Teilnehmer*Innen der Tagung klar identifizierbare Propagandist*Innen einer israelfeindlichen

Agenda, deren Argumentationsmuster judenfeindliche Ressentiments auf subtile wie manifeste Weise kommuniziert.

Mithin wurde auf dieser Veranstaltung Protagonist*Innen einer extremistischen Ideologie ein Podium verschafft. 

 

Wir bedanken uns beim Antisemitismusbeauftragten der Landesregierung von Baden-Württemberg, Herrn Dr. Michael Blume,  dass 

durch sein Auftreten auf der Tagung die Positionen von Rechtsstaatlichkeit, Fairness und Objektivität nicht ganz aus dem Blick gerieten.

 

Das Ansehen der Evangelischen Akademie Bad Boll, die zu Recht den Ruf eines Flaggschiffes für qualifizierte protestantische

Akademiearbeit genießt, wird durch das israelfeindliche Gebaren der für die Organisation der Tagung Verantwortlichen unter dem Dach dieser

Akademie nachhaltig beschädigt. "It is particularly distressing that such an event takes place in Germany" (Emmanuel Nahschon, Sprecher

des israelischen Außenministeriums); "It is scandalous that any Christian church in Germany would utilize its moral authority to organize an

event, that legitimizes those who want to destroy the six million plus Jews in Israel. ... In any case, they have not read the morning paper. Hezbollah,

which controls more than 200 000 missiles, threatened to unleash these against Israel" (Rabbi Abraham Cooper, assoziierter Dekan des

Simon Wiesenthal Centers). Rabbi Cooper bezog sich auf eine Bundestagsabgeordnete (Die Linke), die als Teilnehmerin

des "Offenen Menschenrechtsdiskurses Israel-Palästina" auf der Tagung in deren Programm aufgelistet war. Die Abgeordnete hatte die

"legitimate resistance" der Hizbollah gegen den jüdischen Staat betont (vgl. "Jerusalem Post" 21. 9. 2018). Dies ist lediglich e i n Ausschnitt

aus dem veröffentlichten Programm der Tagung - weitere Namen beteiligter Personen und Organisationen belegen die von Israel-

feindlichkeit geprägte Tendenz der Veranstaltung.

 

 

In Solidarität mit Jüdinnen und Juden weltweit, deren "Fels der Hoffnung" der demokratische Rechtsstaat Israel ist, rufen wir Sie

hiermit öffentlich auf:

 

Evaluieren Sie die israelfeindlichen Strukturen und Mechanismen unter dem Dach der Evangelischen Akademie Bad Boll!

Führen Sie eine öffentliche sowie transparente Aufklärung des gegebenen Sachverhaltes herbei - mit dem Ziel, extremistische

Aktivitäten dortselbst unmittelbar zu beenden!

 

 

Die Autonomie der Akademie kann nicht dazu führen, dass unter ihrem Dach Veranstaltungen durchgeführt werden, die den ethischen Prinzipien des Christentums

widersprechen, indem sie antiisraelische und antijüdische Ressentiments schüren und stärken. Als vom Auswärtigen Amt der Bundesregierung geför-

derte Organisation fordern wir Sie auf, der Feststellung der Frau Bundeskanzlerin, dass die Sicherheit des Staates Israel Bestandteil der Staatsräson

der Bundesrepublik Deutschland ist, in Ihrer kirchenleitenden Funktion Rechnung zu tragen.

Wir verweisen darauf, dass einseitig orientierte und unfair konzipierte Veranstaltungen zum Phänomenbereich 'Israel-Palästina' dem Ideal einer friedlichen Koexistenz

Israels mit einem künftigen Staat Palästina schweren Schaden zufügen, da sie Ressentiments und Hass schüren, statt Kooperation und Koexistenz zu stärken.

 

Wir betonen zudem, dass das Gebaren der für derartige Tagungen in der Evangelischen Akademie Bad Boll Verantwortlichen in eklatantem Widerspruch

zur Handreichung der Württembergischen Landeskirche ("Erklärungen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zur Verbundenheit zwischen Juden

und Christen") steht, wo jedwede Form von Antisemitismus und Delegitimierung des Staates Israel klar zurückgewiesen werden.

 

Wir fordern Sie hiermit mit Nachdruck dazu auf, den dargestellten dringlichen Sachverhalt auf der Herbsttagung der 15. Landessynode der Evangelischen Landeskirche von 

Württemberg vom 26. - 29. 11. 2018 im Hospitalhof Stuttgart zu diskutieren und die erforderlichen Maßnahmen einzuleiten.

 

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Schalom / Salam

Bernd Sommer

Vors.

DIG Heilbronn-Unterland

 

 

Heide Kachel

Stv. Vors.'

DIG Heilbronn-Unterland


 
 

Informationen des Präsidiums